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Elina Deberdeeva – Licht im Schatten II

20. November 2026, 18:30 - 15. Januar 2027, 19:00
Malerei o.T von Elina Deberdeeva - Vernissage vor der Galerie Scheytt

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Galerie Scheytt malte Elina Deberdeeva, eine Szene, die so oder so ähnlich mehrmals jährlich in der Kaiserstraße (Schwabing) zu beobachten ist. Vor der Galerie stehen Menschen im Gespräch. Die Atmosphäre ist entspannt und festlich zugleich. Die Galerie Scheytt feiert die Eröffnung einer Kunst- oder Schmuckausstellung. Man sieht sich und trinkt ein Glas. Die Seh- und Geschmackssinne werden aufgeweckt und in Geselligkeit erfreut.

All dies in einem Bild zu vermitteln, gelingt Elina Deberdeeva. Die Künstlerin widmet ihr Werk dem, was ihr im Alltag begegnet: Stadtlandschaften, Menschen und Pflanzen. Sie malt Straßen- wie Gartenszenen, Porträts und Blumen-Stillleben.

Dies tut sie in bewusster Auseinandersetzung mit den Werken der französischen Impressionisten, der russischen Realisten, insbesondere Ilja Repins, mit dem Oeuvre Vincent van Goghs und Edward Hoppers. Ihre kunsthistorischen Kenntnisse beeinflussen die Motivwahl, die Perspektivierung, die Farbgebung und die Maltechnik. Deberdeevas Bilder sind „realistisch“ in dem Sinne, dass sie Alltägliches abbilden, aber sie sind als Gemälde weder „naiv“ noch „unschuldig“.

Elina Deberdeevas Bilder spiegeln durch Komposition und Farbe das sinnliche und emotionale Erleben einer alltäglichen Situation, vermitteln aber auch das Erleben des schöpferischen Moments seiner malerischen Abbildung. Und sie thematisieren den Malprozess als solchen und verweisen damit auf ihre „Künstlichkeit“. Dadurch geben sie sich offen als Interpretationen zu erkennen, die ohne Anspruch sind auf Objektivität oder gar absolute Wahrheit. Das lässt allen Raum, eine eigene individuelle Sicht auf ihre Bilder, das Sehen, das Erleben und die Wirklichkeit zu entwickeln.

Bei der Bildbetrachtung kann jede dieser Ebenen für sich wahrgenommen und aktualisiert werden, aber auch ihre wechselseitigen Bezüge.

Elina Deberdeeva wohnt in der Münchener Innenstadt. Sie malt Straßenszenen ihrer täglichen Umgebung, dies – soweit möglich – en plein air. Diese Technik erfordert Entscheidungsfreude, Präzision, Schnelligkeit und eine vollständige Beherrschung der Ölmalerei.

In den letzten Jahren wurde die Malerei auf der Straße zunehmend anspruchsvoller. Mehr Menschen und mehr Gefährte sind unterwegs. Mehr Kommunikationswege werden öffentlich genutzt. Es ist lauter, turbulenter, auch kompetitiver geworden. Es ist deswegen offen, ob diese Arbeit in Zukunft so weitergeführt werden kann.

Gemälde "In der Amalienstaße", Öl auf Leinwand von Elina Deberdeeva
In der Amalienstrasse, Öl auf Leinwand, 50 x 55 cm, 2026

Im Bereich der Pflanzenmalerei hat sich Deberdeeva zuletzt vor allem dem Blumen-Stillleben gewidmet. Hier beginnt die Arbeit am Bild mit der Komposition des zu malenden Arrangements: Auswahl der Blumensorten, der Blütenstadien, der Vasen, des Bildhintergrunds, des Lichts, Bestimmung von Nähe und Distanz. Elina Deberdeeva begeistert die Form des Straußes, der viele Farben und Formen bündelt. Sie erfreut sich an Blüten, liebt insbesondere den „Jetzt-Moment“, wenn diese voll aufgehen und strahlen.

 

Gemälde "Großer Strauß mit grüner Gießkanne" von Elina Deberdeeva
Großer Strauß mit grüner Gießkanne, Öl auf Leinwand, 90 x 80 cm, 2026

Für ihre Arrangements ist ihr Harmonie wichtig, aber auch Elemente, die dazu im Widerspruch stehen. Das kann etwa eine simple, millionenfach produzierte grasgrüne Plastikkanne sein, deren glatte uniforme Oberfläche und Statik der organischen Buntheit und Vielgestaltigkeit des Straußes entgegenstehen. Dieser Widerspruch gilt auch für das reale Leben. Das Material der Kanne wird in Partikel zerfallen, die Lebensformen beeinträchtigen oder zerstören. Und doch werden gerade dank solcher Kannen Pflanzen gegossen und damit am Leben gehalten.

Malerin Elina Deberdeeva beim Malen im Garten
Elina Deberdeva beim Malen im Garten, Foto

 

Elina Deberdeeva erschafft ansehnliche Bilder, deren Betrachtung Freude macht, weil sie die Schönheit von Natur und Welt und das friedliche Leben beleuchten. Es geht um Kontrast, Lebendigkeit und die Hoffnung, die in der Schönheit liegt. Denn die Schönheit ist beinahe das Gute. Womit man wieder beim Licht wäre… .

Deswegen hat Elina Deberdeeva auch bei ihrer zweiten Ausstellung in der Galerie Scheytt den Titel gewählt „Licht im Schatten“.

 

Literatur:
Lalova, Lora: Der Mensch und die Stadt. Zwischen Dichtestress und Inspiration – Urbanes Leben in der Stadt. In: Mundus, 3/2025. S. 11-17.
Benz-Zauner, Margareta: Elina Deberdeeva: Auf dem Sofa und draußen. Arbeiten 2010-2022. München, 2023.

 

Elina Deberdeeva

  • Geboren 1974 in Charkiw, Ukraine
  • 1989-92 Ausbildung an der Hochschule für bildende Kunst, Charkiw. Fachrichtung Bühnen- & Kostümbild
  • 1993-1999 Studium an der Akademie der bildenden Künste München, Klasse Prof. Jürgen Reipka, Malerei & Grafik
  • 2000 Diplom als Meisterschülerin

Zahlreiche Ausstellungen in München und Umgebung

  • Große Einzelausstellung „Gemalte Eindrücke von Menschen und Plätzen“ 2008 in der Galerie der Bayern LB
  • Regelmäßige Teilnahme an der Ausstellungen der Münchner Künstlergenossenschaft
  • Preisträgerin des Europäischen Freuenforums Illereichen

Seitdem freischaffende Malerin, unterrichtet Ölmalen und Portraitzeichnen im Akthof in der Türkenstraße, an der VHS München und der Akademie EigenArt in Bad Heilbrunn.

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